Verein zur Aufrechterhaltung der Volksgesundheit in Gambia
Wie es begann

Wie es begann - ein Erlebnisbericht von Dr. Kristin Menzel

Vielleicht haben Sie ja selbst schon mal diese Erfahrung gemacht: Da hegt man einen Wunsch über viele Jahre, und wenn er plötzlich in Erfüllung geht, stellt sich zunächst einmal Ernüchterung ein.

In meinem Fall bestand der Wunsch schon als Medizinstudentin darin, es Albert Schweitzer gleichzutun und als Ärztin in Afrika zu arbeiten. Für eine Studentin in der DDR bestand diese Möglichkeit natürlich nicht, und ich hatte so nie die Möglichkeit, ihn in die Tat umzusetzen. Erst 2005 wollte es der Zufall, dass ich für 14 Tage nach Gambia reisen konnte, um dort zusammen mit Kollegen medizinische Hilfe zu leisten. Die Ernüchterung packte mich schon nach kurzer Zeit.

Eine Bruchbude als Krankenstation

Gambia ist ein winziger Staat an der Westküste Afrikas. Ich arbeitete dort in einer Krankenstation in Lamin, einem Slum nahe der Hauptstadt Banjul. Die Region ist dicht besiedelt, die meisten Menschen leben in zusammengezimmerten Hütten mit minimaler Ausstattung. Toiletten, Betten, Schränke? Fehlanzeige!

Die Krankenstation unterschied sich damals kaum von den ärmlichen Behausungen in der Umgebung. Das Gebäude war beschädigt, eine medizinische Ausstattung gab es nicht, die Leitung der Station hatte ein Pfleger inne. Weiteres medizinisch qualifiziertes Personal war nicht vor Ort, der eigentlich zuständige Arzt bereits 2004 ausgewandert.

Selbst geringfügige Beschwerden konnten in Lamin daher nicht sicher diagnostiziert und behandelt werden, geschweige denn schwerwiegende Erkrankungen. So fehlten jegliche Kenntnisse und Mittel, um die Malaria - eine der häufigsten Erkrankungen in der Gegend und oft im Kleinkindalter mit Todesfolge - zu behandeln. Die Menschen litten an den ausgeprägten Folgen der Infektion, unter anderem an Fieber, Blutarmut, Entzündungen und Durchfall – und niemand konnte ihnen helfen.

Die Lösung: ein Verein

In den 14 Tagen, die ich in Lamin verbrachte, sah ich ein Elend, das ich mit Worten nicht beschreiben kann. Nach meiner Rückreise entstand daher zusammen mit Freunden und  Verwandten die Idee, einen Verein zu gründen. Dessen Zweck sollte es sein, die Volksgesundheit in Gambia zu fördern. 2006 gründeten wir schließlich zu siebt die GambiaGesundheitshilfe e.V.

Der lang gehegte Wunsch der einstigen Medizinstudentin Kristin Menzel geht seither ein bis zweimal im Jahr in Erfüllung. Meine Kollegen und ich fahren dann nach Lamin, um die Krankheitsstation wieder aufzubauen, das Personal zu schulen und die Menschen kostenlos zu behandeln. Und auch wenn die Verhältnisse vor Ort immer wieder mal frustrierend und aufreibend sind, so ist die anfängliche Ernüchterung doch der Freude gewichen, etwas für die Menschen in Gambia tun zu können.

Ihre Dr. Kristin Menzel

 

„Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“
(Albert  Schweitzer)

Wie es begann